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BERICHT: Interview mit Schulleiter Jörg Berthold

Interview mit Schulleiter Jörg Berthold

Seit fast zehn Jahren leitet Jörg Berthold das Gymnasium Neu Wulmstorf. In dieser Zeit hat sich viel verändert - von der Flüchtlingswelle über Corona und die Digitalisierung bis hin zum Neubau und zur offenen Ganztagsschule. Im Interview spricht er darüber, welche Momente ihn besonders geprägt haben, was das Gymnasium in der Umgebung ausmacht und wie sich der Schulalltag langfristig verändert hat. Zum 55. Geburtstag des Gymnasium Neu Wulmstorf haben wir als Chronik-Beauftragte  ihn zu den verschiedensten Themen befragt um mehr über ihn herauszufinden.

Ole: Was war denn Ihr größter „Das haben wir geschafft!“-Moment in den letzten zehn Jahren?

Jörg Berthold:
Das kann ich gar nicht so genau sagen, weil sich immer mehrere Dinge hintereinander entwickelt und abgewechselt haben. Einen einzelnen Moment kann ich deshalb gar nicht herausgreifen. Jeder Schritt hatte auch Folgen für die nächsten Schritte. Einige Beispiele kommen deshalb wahrscheinlich auch noch in den nächsten Fragen vor. Einen bestimmten Moment könnte ich jetzt gar nicht hervorheben.

Ole: Was hat sich am Gymnasium Neu Wulmstorf am stärksten verändert, seit Sie da sind?

Jörg Berthold:
Da haben sich einige Dinge verändert. Manche Veränderungen haben wir selbst angestoßen, um das Lernen zu verbessern, andere wurden von außen an uns herangetragen.

Da denke ich unter anderem an die Flüchtlingswelle vor fast zehn Jahren. Wir hatten viele Schülerinnen und Schüler, die ohne Deutschkenntnisse zu uns an die Schule kamen. Das war eine ganz ungewohnte Situation, auf die wir uns erst einstellen mussten.

Dann kam natürlich die Corona-Zeit. Für diejenigen, die sich noch daran erinnern können, war das eine große Herausforderung für alle – für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Lehrkräfte. Dadurch wurde möglicherweise auch der Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht beschleunigt. Nach einer umfassenden Diskussion haben wir diese zunächst über die Eltern finanziert eingeführt. Inzwischen werden sie ab der Klassenstufe 8 durch das Land finanziert.

Sehr positiv sehe ich auch den Neubau, den wir erhalten haben. Aus meiner Sicht ist er so gestaltet, dass eine gute Lernatmosphäre entstehen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Offene Ganztagsschule. Gerade in der fünften und sechsten Klasse haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, nach der Schule an einem großen AG-Angebot teilzunehmen und dort auch ihre Hausaufgaben zu erledigen. Sie werden dabei betreut. Das war aus meiner Sicht ebenfalls ein großer Schritt.

Es sind also wirklich einige Dinge, die sich in den letzten Jahren verändert haben – manches von uns gewollt, manches auch von außen an uns herangetragen und dann von uns umgesetzt.

Ole: Gibt es eine Entscheidung aus den Anfangsjahren, die Sie heute anders treffen würden?

Jörg Berthold:
Mit Sicherheit. Wenn das nicht so wäre, würde es heißen, dass ich alles richtig gemacht habe. Das war mit Sicherheit nicht so.

Von daher gibt es sicher einige Entscheidungen, die man im Nachhinein anders treffen würde. Ich kann aber gar nicht sagen, welche. Es gibt sicher einige, die man herausgreifen könnte, aber mir fällt jetzt keine bestimmte ein.

Ole: Was macht das Gymnasium Neu Wulmstorf einzigartig im Vergleich zu anderen Schulen hier in der Umgebung?

Jörg Berthold:
Ich glaube, dass die Schülerinnen und Schüler hier sehr gut lernen können und dass man sich hier sehr wohlfühlen kann.

Da ich die anderen Schulen nicht genau genug kenne, kann ich aber nicht sagen, was uns im Vergleich zu ihnen einzigartig macht. Dafür müsste ich alle anderen Schulen genau kennen.

Ich kann deshalb nur sagen, was ich bei uns besonders finde: dass man hier gut lernen kann und dass es ein gutes Lernklima zwischen den Kolleginnen und Kollegen und den Schülerinnen und Schülern gibt. Ich glaube auch, dass man bei uns auf viel Verständnis trifft, wenn es einmal Schwierigkeiten gibt.

Auf der anderen Seite müssen und wollen wir natürlich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern dafür sorgen, dass die Leistungsanforderungen erfüllt werden können. Letztendlich ist das Ziel für die meisten Schülerinnen und Schüler – oder fast alle –, das Abitur zu erreichen.

Dazu kommen viele weitere Dinge, wenn ich beispielsweise an Musik, Theater oder auch den naturwissenschaftlichen Bereich denke. Aber etwas als einzigartig herauszustellen, fällt mir schwer, weil mir dafür einfach der genaue Überblick über alle anderen Schulen fehlt.

Ole: Offene Ganztagsschule, Musikprofil, Austausch, Tansania und Polen – worauf sind Sie ganz besonders stolz?

Jörg Berthold:
Das weiß ich nicht. Auch hier fällt es mir schwer, einen einzelnen Punkt herauszugreifen.

Ich glaube, das sind alles Bausteine. Die Schülerinnen und Schüler haben ganz unterschiedliche Interessen, die durch diese verschiedenen Angebote angesprochen werden. Auf all diese Dinge, die dort genannt wurden, bin ich stolz und finde es gut, dass wir eine so breite Palette anbieten können.

Einen einzelnen Baustein herauszunehmen, fällt mir deshalb schwer. Die Schule besteht aus vielen einzelnen Bausteinen, die letztlich das gesamte Schulleben ausmachen. Da jetzt einen herauszunehmen, der besonders wichtig ist, fällt mir schwer.

Ole: Wie haben Corona und die Digitalisierung den Schulalltag langfristig verändert?

Jörg Berthold:
Corona war ein Einschnitt – sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler.

Ich glaube, dass dadurch der Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht noch einmal beschleunigt wurde. Inzwischen gibt es die Entscheidung der Landesregierung, dass alle Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs an der Schule mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden.

Grundsätzlich würde ich das positiv sehen. Das ist aus meiner Sicht der größte Einfluss, den die Corona-Krise auf unsere Schule hatte.

Ole: Wo sehen Sie die Schule in den nächsten zehn Jahren?

Jörg Berthold:
Wenn ich an unsere Schule in zehn Jahren denke, wünsche ich mir vor allem eines: dass sie ein spannender Ort des Lernens bleibt beziehungsweise noch mehr wird. Ein Ort, an dem man morgens gerne hinkommt, weil hier etwas passiert, das einen wirklich weiterbringt.

Ein wichtiger Baustein dafür ist der verantwortungsvolle Umgang mit den digitalen Möglichkeiten, die wir heute schon haben und die wir weiter ausbauen wollen. Aber Informationen allein führen noch nicht direkt zum Lernen.

Mindestens genauso wichtig ist mir, dass ihr gemeinsam mit euren Lehrkräften die Fähigkeiten entwickelt, die ihr braucht, um die Herausforderungen, die das Leben und die Zukunft an euch stellen, erfolgreich zu meistern. Wissen zu haben ist das eine – zu wissen, was man damit tut, das andere.

Deshalb ist mir noch ein dritter Punkt sehr wichtig: Ich möchte, dass ihr im gemeinsamen Lernen mit euren Lehrkräften lernt, aus Informationen eine begründete eigene Meinung zu entwickeln. Nicht einfach nachzuplappern, was irgendwo steht, sondern selbst zu denken, zu hinterfragen und Position zu beziehen – mit guten Argumenten.

Und damit das alles gelingen kann, braucht es einen Rahmen: einen respektvollen Umgang miteinander. Nur wenn wir uns gegenseitig zuhören, ernst nehmen und wertschätzend behandeln, können echtes Lernen und echter Meinungsaustausch überhaupt stattfinden.

Das ist mein Bild von unserer Schule in zehn Jahren: ein zielgerichteter Einsatz der digitalen Möglichkeiten, fachlich und persönlich stark, meinungsstark im besten Sinne – und das alles getragen von gegenseitigem Respekt.

Ole: Herzlichen Dank, Herr Berthold, und alles Gute!

Das Interview führte Ole Windmüller am 19.08.2026

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