BERICHT: Zeitzeugengespräch
BERICHT: Zeitzeugengespräch
Im Rahmen des Geschichtsunterrichts und in jährlicher Tradition hatte unsere Schule die besondere Gelegenheit vier Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu einem Gespräch begrüßen zu dürfen. Hans Heinrich Genz (Jg. 1941), Prof. Dr. Hans Jörg Petershagen (Jg. 1934), Frauke Petershagen (Jg. 1936) und Manfred Hüllen (Jg. 1939) berichteten eindrucksvoll und bewegend von ihren persönlichen Erlebnissen während der Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegsjahre.
Die Zeitzeugen machten deutlich, wie allgegenwärtig nationalsozialistische Ideologie im Alltag war. Frauke Petershagen schilderte, wie Adolf Hitler in der Schule verehrt wurde und sie selbst als Kind begeisterte Anhängerin war. Erst später habe sie erkannt, wie stark sie indoktriniert worden sei. Gleichzeitig berichtete sie, dass ihre Eltern – geprägt durch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs – früh ahnten, dass Deutschland erneut auf einen Krieg zusteuerte, und diese Sorge auch offen äußerten. Besonders erschütternd waren die Berichte über Verfolgung, Gewalt und Völkermord. Manfred Hüllen erzählte von den Erlebnissen seiner Mutter während der Reichspogromnacht: In Düsseldorf sei das jüdische Ehepaar Rosenberg, Arbeitgeber seiner Mutter, ermordet und in den Rhein geworfen worden. Hans Heinrich Genz berichtete von einem Prozess, bei dem ein Mann aus seiner Heimatregion als Täter aus dem Konzentrationslager Majdanek identifiziert wurde. Prof. Dr. Petershagen schilderte, wie eine jüdische Person durch mutige Hilfe und mehrere Verstecke überleben konnte. Immer wieder wurde betont, wie viele Leben der Holocaust und der Zweite Weltkrieg insgesamt kosteten. Die Zeitzeugen berichteten auch über die anfängliche Kriegsstimmung in der Bevölkerung. Manfred Hüllen erklärte, dass viele Menschen dem Krieg zunächst skeptisch gegenüberstanden, die schnellen militärischen Erfolge jedoch die sogenannte „Kriegslust“ verstärkten. Gleichzeitig litten die Familien früh unter den Folgen: Väter wurden eingezogen, Geschäfte aufgegeben, Lebensmittel waren knapp. Lebensmittelmarken, Bezugscheine und Hunger prägten den Alltag. Kinder liefen oft barfuß, Kleidung und Schuhe waren Mangelware. Besonders eindringlich waren die Schilderungen von Bombardierungen, Flucht und persönlichem Leid. Manfred Hüllen berichtete vom Tod seiner Schwester bei einem Tieffliegerangriff und von Gewalt am Ende des Krieges. Seine Worte „Krieg ist und bleibt Scheiße“ machten die Brutalität und Sinnlosigkeit von Krieg eindrucksvoll deutlich. Auch Prof. Dr. Petershagen und Frauke Petershagen schilderten die Zerstörung der Städte, das Leben in Notunterkünften und die Angst vor Nachrichten über gefallene Angehörige. Das Kriegsende wurde von den Zeitzeugen als große Erleichterung beschrieben, insbesondere weil die täglichen Bombenangriffe endeten. Gleichzeitig begann eine entbehrungsreiche Nachkriegszeit: Ausgebombte, Flüchtlinge, Hunger, improvisierte Unterkünfte und lange Schulwege bestimmten den Alltag. Schulunterricht fand oft mit sehr vielen Kindern und minimaler Ausstattung statt, Schulspeisungen waren für viele lebenswichtig. Ein weiteres Thema war der Umgang mit der NS-Vergangenheit nach 1945. Prof. Dr. Petershagen berichtete von der schnellen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten in die Gesellschaft und davon, wie viele Menschen NS-Verbrechen lange verdrängten oder leugneten. Am Ende des Zeitzeugengesprächs richteten alle vier Gäste eindringliche Appelle an die Schülerinnen und Schüler. Manfred Hüllen warnte vor Rechtsextremismus, Holocaustleugnung und Autokratie und betonte die Bedeutung von Demokratie, Respekt und kritischem Denken. Er mahnte, Informationen sorgfältig zu prüfen, insbesondere in sozialen Medien. Hans Heinrich Genz ermutigte die Jugendlichen, die heutigen Möglichkeiten zu nutzen, ihren Horizont zu erweitern und Verantwortung zu übernehmen. Abschließend wünschten die Zeitzeugen den Schülerinnen und Schülern Mut, Kraft und die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Der Zeitzeugenbesuch hinterließ einen tiefen Eindruck und machte Geschichte auf eindrucksvolle Weise lebendig. Er zeigte, wie wichtig Erinnern, Verantwortung und Engagement für eine demokratische Zukunft sind.








